Juni 2002 l Südfrankreich

 
 

Orange

 
     

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  (z.T. in Vorbereitung)

 
 
 
 

Der Augustusbogen von Orange

 
 

 

 
 

Die Stadt Orange liegt am Fluss Eygues, der wenige Kilometer danach in die Rhone mündet. Der historische Name der Stadt lautete Arausio nach einem lokalen ligurisch-keltischen Wassergott.

Bekannt ist die Stadt für eine Reihe römischer Bauwerke, insbesondere für das beeindruckende Theater und den „Stadtgründungsbogen“, deren Bau unmittelbar vor oder während der Herrschaft von Kaiser Augustus begonnen wurde.
1981 wurden diese Bauwerke von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.

 
 

 

 
 

 
 

 

 
 

Das dreibögige römische Monumentaltor steht an der Straße nach Lyon. Mit seiner Länge von 19 Metern, einer Höhe von 18 Metern und acht Metern Breite gilt es als eines der größten und besterhaltenen seiner Zeit. Es wurde wahrscheinlich zwischen 10 und 20 n. Chr. errichtet und im Jahr 26/27 n. Chr. mit Inschriften versehen.
Die in Teilen entzifferten Inschriften deuten darauf hin, dass es sich bei dem Tor um einen Stadtgründungsbogen handelt. Auf der oberen Attika muss es ursprünglich eine Quadriga und Statuen aus Bronze gegeben haben, die heute nicht mehr erhalten sind. Ein stark erodiertes Reliefbild zeigt eine Gallierschlacht. Über den seitlichen Toren ist ein Sammelsurium kriegerischer Utensilien abgebildet: Waffen, vor allem Schwerter und unterschiedlich ausgeschmückte Schilde, Lanzen, Rüstungen und auch Teile von Kriegsschiffen.

 
     
 

 
 

 

 
 

Der Bogen von Orange war dem nördlichen Stadteingang in das antike Arausio vorgelagert und lag etwa 110 Meter außerhalb der Stadt.
Nahezu alle Flächen des Bogens sind mit Reliefs überzogen, unter denen die Darstellungen von Waffen und Tropaia überwiegen. Hinzu kommen Schlachtenreliefs siegreicher Römer im Kampf gegen unterlegene Gallier, zudem untergeordnete Reliefs aus dem Bereich der römischen Religion.
Befestigungslöcher für die Anbringung metallener Buchstaben, die Anlass und Zeitpunkt der Errichtung des Bauwerks ungefähr bestimmen, lassen die Inschrift rekonstruieren, auch wenn ihre Deutung diskutiert wird.

Der Bogen wurde im 13. Jahrhundert zu einer Festung umgebaut und mit einem acht Meter hohen Turm versehen. Er war damals im Besitz von Raymond I. des Baux, dem prince d’Orange, und gehörte bis 1725 dem Fürstentum Orange.
Eine im 19. Jahrhundert behutsam vorgenommene Restaurierung wurde in den 1950er Jahren dem Zeitgeist folgend überarbeitet, so dass für den Laien eine optische Trennung zwischen antikem Befund und Restaurierung kaum mehr möglich ist.

Im Jahr 1840 wurde der Bogen zum "monument historique" erklärt und damit als bemerkenswertes Bauwerk unter Denkmalschutz gestellt. Seit 1981 ist das Monument zudem Weltkulturerbe der UNESCO.

 
     
 

 
  Der  
     
 

In der Innenstadt von Orange steht das Römische Theater aus dem 1. Jahrhundert n. Chr., das neben dem Theater von Aspendos in der Türkei und dem in Bosra in Syrien für eines der besterhaltenen der Welt gehalten wird.
Aus ökonomischen und statischen Erwägungen wurde das Theater am Hang eines Hügels errichtet. Dazu mussten einige Gänge direkt in den Fels geschlagen werden.

 
     
 

 
     
 

 
     
 

Mit dem Niedergang des römischen Reiches teilte der Bau das Schicksal vieler anderer antiker Stätten und wurde als Steinbruch behandelt. Während des Mittelalters und bis weit in die Neuzeit hinein bildeten viele im Areal des einstigen Theaters erbaute Häuser ein reguläres Wohnviertel der Stadt. Während der Französischen Revolution dienten Teile des Theaters als Gefängnis, in dem die Feinde der Revolution unter unwürdigen Bedingungen festgehalten wurden.

 
     
   
 

Nachbildung der Statue des Augustus in der Szenenwand

 
 

 

 
 

Bruchstücke der 3,55 m hohen Kaiserstatue des Augustus wurden restauriert – eine Nachbildung dieses Originals ziert die heutige Szenenwand von 103 m Länge und 38 m Höhe. Im Westen des Theaters steht die Ruine eines Tempels, der offenbar dem vergöttlichten Augustus geweiht war.

 
     
 

Das Foto, das die komplette Szenenwand zeigt(e) ist - warum auch immer - leider nichts geworden. :-(

 
     
   
     
   
  Ausgrabungen neben dem Theater  
 

 

 
  Im Leben der Einwohner spielte das Theater eine große Rolle. Die römischen Machthaber sahen in ihm nicht nur ein Werkzeug, das half, die römische Kultur in den Kolonien zu verbreiten, sondern auch ein Mittel, um die Bevölkerung von politischen Aktivitäten abzulenken.
Pantomime und Dichterlesungen, meist den ganzen Tag andauernd, waren die vorherrschenden Formen der Unterhaltung. Für die Zuschauer, die sich von aufwändigen Effekten begeistern ließen, wurden prunkvolle Bühnenbilder gebaut. Die Spiele waren offen für alle und kostenlos. Als das römische Reich im 4. Jahrhundert auseinanderbröckelte und sich das Christentum ausbreitete, wurde das Theater 391 n. Chr. durch offiziellen Erlass von der Kirche geschlossen.
Es wurde komplett verlassen und geplündert. Während des Mittelalters war es ein Verteidigungsposten. Im 16. Jahrhundert, zur Zeit der Religionskriege wurde es von den Stadtbewohnern als Zufluchtsort genutzt. Ludwig XIV. bezeichnete die Bühnenfassade bei einem Besuch als die schönste Mauer seines Königreichs („C'est la plus belle muraille de mon royaume“). Während der Französischen Revolution diente es als Gefängnis, wo Gegner der Revolution unter unwürdigen Verhältnissen gefangen waren. 1824 begannen umfangreiche Renovierungsarbeiten unter der Leitung des Architekten Auguste Caristie.

Seit 1869 finden im "antiken" Theater wieder regelmäßig Aufführungen und Konzerte statt, darunter zum Beispiel das Opernfestival Chorégies d'Orange. Es wird angenommen, dass das Theater während der römischen Zeit ca. 10.000 Plätze hatte. Heute finden 7.000 Personen Platz. Nur die ersten drei der ursprünglichen Sitzreihen sind erhalten geblieben. Im Jahr 1981 wurde es zusammen mit dem Bogen von Orange von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

 
     
   
 

Blick vom Theater auf die Altstadt

 
     
   
  Das Theater von der Seite  
     
     
     
 

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